22.3.2019

Der 1954 bis 1958 errichtete City-Hof besteht aus vier Büro-Hochhäusern mit zwei- und dreigeschossigen Verbindungsbauten und wurde von dem renommierten Hamburger Architekten Rudolf Klophaus entworfen. Die Bauten gehören zu den ersten Hochhäusern, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg gebaut wurden und stehen als bedeutende Zeugnisse der Nachkriegsmoderne seit 2013 unter Denkmalschutz. Ursprünglich mit hellen Verblendplatten (aus "Light Expanded Clay Aggregate", kurz LECA) ausgestattet wurden sie in den 1970er-Jahren mit grauen Faserzementplatten verkleidet. Sie dienten bis zum Sommer 2018 vorwiegend als Verwaltungsgebäude des Bezirksamtes Hamburg-Mitte und werden aktuell nach intensiven öffentlichen Diskussionen abgerissen.

Im Jahr 2006 fiel mit dem Ende des vorangegangenen Erbbauvertrages der City-Hof zurück an die FHH. Diese schrieb 2012 den City-Hof erstmals zum Verkauf auf Abriss aus, hob die Ausschreibung jedoch wieder auf. 2014 gründete sich die Initiative City-Hof, die sich bis heute für die Erhaltung des Denkmals engagiert. Auf der Homepage ihres Folgevereins "City-Hof e.V." wird die Entwicklung bis heute chronologisch aufgeführt.

Bei einer öffentlichen Plandiskussion im Bezirksamt Mitte wurde am 29. Januar 2018 über die mögliche Neubebauung des City-Hofes diskutiert. Der Denkmalverein hat sich mit einem ausführlichen Statement zu Wort gemeldet.

Inzwischen haben sich bereits zahlreiche Fachleute gegen den Abriss ausgesprochen, zuletzt in einem offenen Brief an Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher.

Am 30. August 2018 kamen zwei Expertinnen von ICOMOS International nach Hamburg, um sich über die Planungen auf dem City-Hof Areal zu informieren. Bei der sogenannten „Advisory Mission“ ging es um die Frage, ob die Abriss- und Neubaupläne Auswirkungen auf den außergewöhnlichen universellen Wert des Welterbes Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus haben, in dessen Pufferzone der City-Hof liegt. In mehreren Statements erläuterten unter anderem die Erhaltungsbefürworter Denkmalrat, Denkmalverein und City-Hof e.V., warum der City-Hof erhalten werden sollte.

Am 27. November 2018 verkündete der Hamburger Senat, dass "das Welterbezentrum der UNESCO das Welterbe durch Planungen am Klosterwall nicht betroffen" sähe. Diese Vorab-Auskunft des Welterbezentrums begründet sich bislang nur auf einen nicht freigegebenen Entwurf von ICOMOS und zeigt lediglich, dass hier mit allen Mitteln ein Denkmal abgerissen werden soll. Welterbezentrum, Auswärtiges Amt und Hamburg sind nun offenbar ohne Rücksprache mit ICOMOS mit Infos aus dem noch nicht freigegebene Entwurf an die Öffentlichkeit gegangen, um Fakten zu schaffen. Noch am selben Abend folgte eine Pressemeldung mit einem deutlichen Widerspruch durch ICOMOS.

Mit der Abrissgenehmigung für den City-Hof wollte der Senat Fakten schaffen, bevor der Bürgerschafts-Wahlkampf beginnt. Bis heute die UNESCO jedoch nicht der geplanten Neubebauung zugestimmt, die wichtige Sichtachsen und Durchblicke zum Welterbe verbauen würde. Mit einem vorzeitigen Abbruch riskiert der Senat daher bewusst eine jahrelange Baulücke mitten in der Stadt. Zugleich setzt der Senat sich über das geltende Denkmalschutzgesetz hinweg. Es ist ein fatales Signal für alle privaten Eigentümer, wenn die Stadt selbst nicht vorbildhaft mit ihren Baudenkmälern umgeht. Dem Denkmalschutz in Hamburg wird damit ein nachhaltiger Schaden zugefügt. Mit seinem Vorgehen schafft der Senat vor allem ein neues Argument dafür, dass es endlich ein Verbandsklagerecht für den Denkmalschutz geben muss. Denn solange eine Regierung ungestraft ihr eigenes Denkmalschutzgesetz brechen kann, wie der Senat es im Falle des City-Hofes tut, sind Hamburgs Baudenkmäler ganz offenkundig nicht ausreichend geschützt.

Fotos bzw. Abbildungen: Denkmalschutzamt, Rudolf Klophaus Archiv vom City-Hof e.V., KPW-Architekten, Schaff-Verlag